Müllabfuhr

Gestern stand im Zeichen des Mülls:
1. Sack: wilde Müllkippe gefunden und entfernt
2. Sack: Der Müll am Seemannsgrab hat sich aufgelöst und über den Strand verteilt
3. – 4. Sack: Mein Chef, der bisher nie anwesend oder ansprechbar war, kam plötzlich auf die Idee, ich könnte ihm noch die Hütte entrümpeln.
Als ich hier ankam, waren manche Flächen in der Behausung unter einer Zentimeter dicken Dreckschicht vergraben. Jetzt ist es immer noch nicht keimfrei, aber schon besser. Hätte ich gewusst, dass ich manche Dinge entsorgen darf, hätte ich das sofort gemacht.
Der neue Zivi, der Sonntag um drei kommt, kann sich freuen.
So langsam freue ich mich doch auf Errungenschaften der Zivilisation wie Badewanne, Waschmaschine und Spülmaschine.
Hier ist das Wetter gerade zum Abgewöhnen, Sturm und Regen. Die letzte Zählung habe ich auf heute Abend verschoben, in der Hoffnung, dass wenigstens Wind oder Regen nachlässt.
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Die Vögel

Mittelsäger

Die heutige, vorletzte Vogelzählung fand im strömenden Regen statt. Über 400 Graugänse saßen allein auf dem Noor. Ein schwatzhaftes Volk. Seit die Gössel flügge sind, werden Proberunden geflogen, in kleineren und größeren Gruppen und die angrenzenden Wiesen abgegrast. Jede kleine Gruppe die abfliegt oder ankommt, wird mit lautem Geschnatter kommentiert. Dabei sind sie aber wachsam. Wenn sie sich beobachtet fühlen, ziehen sie sich dezent aufs Wasser zurück.

An der Salzwiese gab es Überraschungsgäste: 33 Goldregenpfeifer sind dort eingetroffen.

Manche der anwesenden kenne ich schon persönlich, wie die Austernfischer, die immer paarweise ihre kleinen Reviere besetzen. Oder die Gänsesäger mit ihrer Punkerfrisur, die auch meistens zu zweit zusammenhocken, auch wenn sie noch nicht brüten. Ein Paar immerhin führte stolz 12 Küken aufs Wasser.

Andere tauchen plötzlich auf oder verschwinden. Wo sind die 14 Höckerschwäne, die sich anfangs hier in der Bucht aufhielten? Wo kommen nun die vielen Kiebitze her?

Ich wollte viel mehr über die Tiere und Pflanzen hier schreiben und habe viel zu oft über dumme Menschen berichtet. Auch ließ mich ein Objektiv im Stich, so dass ich kaum schöne Vogelbilder machen konnte.

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Die andere Seite

Badestrand

An der Außenförde, zwischen den Ortsteilen Holnis, Drei und Bockholm erstreckt sich die Touristenmeile der Halbinsel.

Hier gibt es alles was das Touristenherz begehrt: einen kilometerlangen, feinsandigen Badestrand mit Strandkörben, eine Surfschule, Fahrradverleih, Pommesbuden und öffentliche Toiletten in überschaubaren Abständen, Campingplatz und Ferienhäuser. Am Badestrand gelten fast die gleichen Verbote wie im Naturschutzgebiet nur Hunde dürfen gar nicht dort hin. Die Leute halten sich dran und zahlen Eintritt dafür. Ist das Gebiet hier weniger wert oder halten sie sich nicht an die Regeln weil es kostenlos betreten werden darf?

Drei und Bockholm finder ich reizlos aber der Ort Holnis gefällt mir gut. Hier gibt es schöne Reetgedeckte Häuser mit beeindruckenden Hausbäumen.

Haus in Holnis

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Wegebegleitbunt

Wegwarte Zichorie

In der Stadt wird Straßenbegleitgrün geplant, meist in Form kümmerlicher Bäumchen. Hier wird nichts geplant und ich habe statt dessen Wegebegleitbunt. Irgend etwas blüht immer. Hier z.B. die Wegwarte. Aus ihren Wurzeln kann man, wenn man sie röstet einen Kaffee-Ersatz herstellen. Muckefuck. Die Kulturform der Wegwarte ist der Chicoree , bzw. Endiviensalat.

gelbe Blütenpolster am Wegrand

Die dazu hübsch kontrastierenden gelben Blütenpolster mit den winzigen Blüten konnte ich noch nicht eindeutig bestimmen.

Hier noch einmal ganz groß:

gelbe Blütenpolster Makro

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Schausende

die Sehenswürdigkeit

Als Holnis noch ein Inselchen war, war Schausende der letzte Zipfel Festland vor Holnis.  Genau genommen gehört Schausende also nicht mehr dazu, aber von dort führt ein Wanderweg über den Deich genau bis vor meine Hütte.

In Schausende gibt es:

  • Nette Leute: Amalia, Joey und Cookie
  • Eine Sehenswürdigkeit: den Leuchtturm
  • Bratkartoffeln: in der Marina
  • Eines der am meisten ignorierten Schilder:

    Da steht kein Schild!

    Bemerkenswert an Schausende ist allerdings, dass man hier betrachten kann, wie Holnis einmal hätte aussehen können, wenn der Naturschutz die Flächen nicht rechtzeitig aufgekauft hätte. Nämlich so:

    Schausender Scheußlichkeiten

    Tatsächlich war in den 70ern eine Ferienanlage im Stil von Damp auch auf Holnis geplant. Die gut ausgebaute Trasse dorthin ist von den Plänen übrig geblieben. Ob die Leute, die sich durch den Naturschutz in ihren Rechten eingeschränkt sehen, das wirklich so lieber hätten?

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Ruhe

Es ist schön, abends spät vor der Hütte zu sitzen, wenn alle Touristen gegangen sind. Nach Sonnenuntergang ist der Himmel noch lange rot. Jetzt zirpen Grillen und Heuschrecken. Die Rinder, die nun auf verschiedenen Weiden voneinander getrennt stehen, rufen sich mit lautem Muhen. Wurde das große Kalb versehentlich von seiner Mutter getrennt? Ein Trupp Gänse fliegt herbei und wird am Noor mit lautem Geschnatter empfangen. Ein Hase kommt fast jeden Abend, auch ein Reh und manchmal ein Marder oder ein Fuchs. Auch Singvögel kommen noch spät um die Rindertränke für ihre Zwecke zu nutzen.

Manchmal, vor allem an Wochenenden, kommen allerdings menschliche Gäste noch spät abends auf die Idee, in meine Hütte zu schauen.

Alpenstrandläufer

Alpenstrandläufer sehe ich nun immer öfter am Noor und in den Salzwiesen. Sie sind schon auf dem Rückzug aus ihren Brutgebieten.

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Die Camper

Freitag kam Besuch aus Hamburg und wir waren noch mit einem anderen Paar an meiner Hütte verabredet. Vorher aber gingen wir noch an den Strand und ich zeigte den Hamburgern mein Revier. Dann aber: Oh Mist! Da steht ein Zelt. Am Ende des Naturstrandes hatte sich ein Paar häuslich eingerichtet. Zunächst zeigten sie sich verständig, dann aber wollte die Frau, dass ich mich ausweise oder legitimiere, da könne ja jeder kommen, sie hätten gefragt, da dürfe man zelten, sie kämen dort jetzt nicht weg, sie hätten kein Handy mit um ihren Transport zu organisieren… usw. als wir endlich wieder zur Hütte kamen, waren unsere Freunde, die uns nicht angetroffen hatten, schon wieder gegangen.

Am nächsten Tag stand das blöde Zelt noch immer dort. Also bin ich mit Polizeibegleitung wieder dort hingegangen. Der nette Polizist hat denn die Abbauarbeiten überwacht und eine Anzeige geschrieben. Nebenbei stellte sich heraus: Der Mann war vorbestraft und verheiratet, aber nicht mit dieser Frau.

Dabei habe ich auch gelernt, dass ich mich gar nicht legitimieren muss. Jeder Spaziergänger, der ein Zelt im Naturschutzgebiet findet, kann die Polizei rufen und Anzeige erstatten.

Die wichtigsten Regeln für das Verhalten in Naturschutzgebieten sind auf der ganzen Welt die selben:

  1. Auf den Wegen bleiben
  2. Alles wieder mitnehmen, was hineingebracht wurde
  3. Kein Feuer
  4. Nicht zelten
  5. Hunde an die Leine

Diese wenigen Einschränkungen gelten in Deutschland ebenso wie in Australien oder Costa Rica.

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Seemannsgrab

Nach dem Regen

Nach dem Gewitter ist viel mehr Wasser in der Flensburger Förde. Der Naturstrand ist zu einem schmalen, feuchten Streifen geschrumpft. Selbst am Seemanssgrab, einer der breitesten Stellen.

Es war einmal ein Steuermann der an Cholera erkrankte. Deswegen durfte das Schiff nicht in den Hafen von Flensburg einlaufen. Nachdem der Seemann verstorben war, begrub ihn die Mannschaft am Strand von Holnis.

Seemannsgrab

Die kürzeste Verbindung vom Parkplatz zum Strand führt am Seemansgrab vorbei. Deshalb kommen hier auch meistens die Leute hin, die viel hintragen können, aber nichts wieder zurück. Manche sind sogar so schwach, dass sie ihre Flaschen und Einweggrills nur wenige Meter vom Müllsack fallen lassen.

Die Steilhänge und Sandabbrüche sind nun gut feucht und manche Leute entwickeln den Ehrgeiz, sie mit Löchern und Sandskulpturen zu verzieren. Das sieht teilweise gut aus, ist aber im Naturschutzgebiet verboten und außerdem ziemlich gefährlich. Sobald das trocknet kann der ganze Hang abrutschen. Herr, lass Hirn vom Himmel regnen!

Vorsicht Einsturzgefahr.

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Gewitter

Gewitter am Noor

Gewitter bietet hier ein eindrucksvolles Naturschauspiel. Gerade war ich noch am Kliff und habe mit einem Badegast überlegt: Kommt es nun her, oder bleibt es in Dänemark? Bin gemächlich zur Hütte gegangen und habe alle Fenster aufgesperrt. Wollte nur eben noch ein Foto vom Noor machen, da höre ich plötzlich ein Unheil verkündendes Brausen. Der Wind dreht sich um mich, die Bäume drehen sich ebenfalls. Sand wirbelt um mich herum und treibt mir in die Augen. Meine Welt wird schwarz. Schnell zurück zur Hütte und die Fenster wieder zugemacht! Aber noch regnet es nicht. Nur eins Sandsturm mit Blitz und Donner? Dann drei große Tropfen, noch mehr Sand und dann schüttet es wie aus Kübeln. Der Weg wird zum Bach. Nach ein paar Minuten ist der Spuk schon wieder vorbei.

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Pennerlager

Vorgestern Abend habe ich noch gut getarnte Zeltsachen und eine Feuerstelle im Schutzgebiet gefunden. Jemand hat sich dort ein Lager eingerichtet und kommt wohl öfter. Als erste Brandprävention habe ich die Feuerstelle abgeräumt, Holz und Grillkohle nass gemacht.

Gestern dann die Polizei benachrichtigt, nachdem über Nacht wohl niemand dort war. Ein Badegast hatte mir erzählt er habe dort schon mal „Penner mit Zelt“ gesehen und auch eine Einwegspritze gefunden.
Die Kälbchen bekamen Ohrlochstechen unter Vollnarkose. Daraufhin kam wirklich jeder hier vorbei: Da liegt ein Kalb, dem geht’s nicht gut…
Später habe ich dann ne Frau getroffen die mit Epilepsie und Schmerzattacken manchmal umkippt und die hat mir dann erzählt, dass die Leute dann meistens einen Bogen um sie machen, weil sie denken sie wäre besoffen.

frisches Piercing

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