Die letzte Zählung

Gänse am Noor

Die letzte Vogelzählung fand gestern bei Sturm und Regen statt. Holnis hat mich bei der Vorbesichtigung mit Sturm und Regen empfangen und am ersten Tag mit Müll am Strand, jetzt verabschiedet es mich ebenso. Den Naturgewalten ist man hier ziemlich direkt ausgesetzt. Anfang Juni war es noch ziemlich kalt und ich kämpfte mit der Axt und dem Ofen. Wenn der Wind auf die nassgeregnete Hütte steht ist es drinnen kälter als draußen. Dann gab es wochenlang Sonnenschein mit über 30 Grad, Trockenheit und Brandgefahr. Abends musste ich noch stundenlang vor der Hütte warten, bis die Temperatur innen erträglich wurde. Jetzt ist schon fast herbstliche Stimmung eingekehrt und ich habe die dicke Weste wieder hervorgekramt. Die Tage werden auch schon wieder kürzer. Dabei ist es erst Ende Juli. Um Mittsommer wurde es gar nicht richtig dunkel und das ist gerade mal einen Monat her.  Ich hätte gerne noch den Rest des Jahres hier erlebt.

Graugänse

Noch mehr Graugänse

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Müllabfuhr

Gestern stand im Zeichen des Mülls:
1. Sack: wilde Müllkippe gefunden und entfernt
2. Sack: Der Müll am Seemannsgrab hat sich aufgelöst und über den Strand verteilt
3. – 4. Sack: Mein Chef, der bisher nie anwesend oder ansprechbar war, kam plötzlich auf die Idee, ich könnte ihm noch die Hütte entrümpeln.
Als ich hier ankam, waren manche Flächen in der Behausung unter einer Zentimeter dicken Dreckschicht vergraben. Jetzt ist es immer noch nicht keimfrei, aber schon besser. Hätte ich gewusst, dass ich manche Dinge entsorgen darf, hätte ich das sofort gemacht.
Der neue Zivi, der Sonntag um drei kommt, kann sich freuen.
So langsam freue ich mich doch auf Errungenschaften der Zivilisation wie Badewanne, Waschmaschine und Spülmaschine.
Hier ist das Wetter gerade zum Abgewöhnen, Sturm und Regen. Die letzte Zählung habe ich auf heute Abend verschoben, in der Hoffnung, dass wenigstens Wind oder Regen nachlässt.
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Die Vögel

Mittelsäger

Die heutige, vorletzte Vogelzählung fand im strömenden Regen statt. Über 400 Graugänse saßen allein auf dem Noor. Ein schwatzhaftes Volk. Seit die Gössel flügge sind, werden Proberunden geflogen, in kleineren und größeren Gruppen und die angrenzenden Wiesen abgegrast. Jede kleine Gruppe die abfliegt oder ankommt, wird mit lautem Geschnatter kommentiert. Dabei sind sie aber wachsam. Wenn sie sich beobachtet fühlen, ziehen sie sich dezent aufs Wasser zurück.

An der Salzwiese gab es Überraschungsgäste: 33 Goldregenpfeifer sind dort eingetroffen.

Manche der anwesenden kenne ich schon persönlich, wie die Austernfischer, die immer paarweise ihre kleinen Reviere besetzen. Oder die Gänsesäger mit ihrer Punkerfrisur, die auch meistens zu zweit zusammenhocken, auch wenn sie noch nicht brüten. Ein Paar immerhin führte stolz 12 Küken aufs Wasser.

Andere tauchen plötzlich auf oder verschwinden. Wo sind die 14 Höckerschwäne, die sich anfangs hier in der Bucht aufhielten? Wo kommen nun die vielen Kiebitze her?

Ich wollte viel mehr über die Tiere und Pflanzen hier schreiben und habe viel zu oft über dumme Menschen berichtet. Auch ließ mich ein Objektiv im Stich, so dass ich kaum schöne Vogelbilder machen konnte.

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Die andere Seite

Badestrand

An der Außenförde, zwischen den Ortsteilen Holnis, Drei und Bockholm erstreckt sich die Touristenmeile der Halbinsel.

Hier gibt es alles was das Touristenherz begehrt: einen kilometerlangen, feinsandigen Badestrand mit Strandkörben, eine Surfschule, Fahrradverleih, Pommesbuden und öffentliche Toiletten in überschaubaren Abständen, Campingplatz und Ferienhäuser. Am Badestrand gelten fast die gleichen Verbote wie im Naturschutzgebiet nur Hunde dürfen gar nicht dort hin. Die Leute halten sich dran und zahlen Eintritt dafür. Ist das Gebiet hier weniger wert oder halten sie sich nicht an die Regeln weil es kostenlos betreten werden darf?

Drei und Bockholm finder ich reizlos aber der Ort Holnis gefällt mir gut. Hier gibt es schöne Reetgedeckte Häuser mit beeindruckenden Hausbäumen.

Haus in Holnis

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Wegebegleitbunt

Wegwarte Zichorie

In der Stadt wird Straßenbegleitgrün geplant, meist in Form kümmerlicher Bäumchen. Hier wird nichts geplant und ich habe statt dessen Wegebegleitbunt. Irgend etwas blüht immer. Hier z.B. die Wegwarte. Aus ihren Wurzeln kann man, wenn man sie röstet einen Kaffee-Ersatz herstellen. Muckefuck. Die Kulturform der Wegwarte ist der Chicoree , bzw. Endiviensalat.

gelbe Blütenpolster am Wegrand

Die dazu hübsch kontrastierenden gelben Blütenpolster mit den winzigen Blüten konnte ich noch nicht eindeutig bestimmen.

Hier noch einmal ganz groß:

gelbe Blütenpolster Makro

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Schausende

die Sehenswürdigkeit

Als Holnis noch ein Inselchen war, war Schausende der letzte Zipfel Festland vor Holnis.  Genau genommen gehört Schausende also nicht mehr dazu, aber von dort führt ein Wanderweg über den Deich genau bis vor meine Hütte.

In Schausende gibt es:

  • Nette Leute: Amalia, Joey und Cookie
  • Eine Sehenswürdigkeit: den Leuchtturm
  • Bratkartoffeln: in der Marina
  • Eines der am meisten ignorierten Schilder:

    Da steht kein Schild!

    Bemerkenswert an Schausende ist allerdings, dass man hier betrachten kann, wie Holnis einmal hätte aussehen können, wenn der Naturschutz die Flächen nicht rechtzeitig aufgekauft hätte. Nämlich so:

    Schausender Scheußlichkeiten

    Tatsächlich war in den 70ern eine Ferienanlage im Stil von Damp auch auf Holnis geplant. Die gut ausgebaute Trasse dorthin ist von den Plänen übrig geblieben. Ob die Leute, die sich durch den Naturschutz in ihren Rechten eingeschränkt sehen, das wirklich so lieber hätten?

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Ruhe

Es ist schön, abends spät vor der Hütte zu sitzen, wenn alle Touristen gegangen sind. Nach Sonnenuntergang ist der Himmel noch lange rot. Jetzt zirpen Grillen und Heuschrecken. Die Rinder, die nun auf verschiedenen Weiden voneinander getrennt stehen, rufen sich mit lautem Muhen. Wurde das große Kalb versehentlich von seiner Mutter getrennt? Ein Trupp Gänse fliegt herbei und wird am Noor mit lautem Geschnatter empfangen. Ein Hase kommt fast jeden Abend, auch ein Reh und manchmal ein Marder oder ein Fuchs. Auch Singvögel kommen noch spät um die Rindertränke für ihre Zwecke zu nutzen.

Manchmal, vor allem an Wochenenden, kommen allerdings menschliche Gäste noch spät abends auf die Idee, in meine Hütte zu schauen.

Alpenstrandläufer

Alpenstrandläufer sehe ich nun immer öfter am Noor und in den Salzwiesen. Sie sind schon auf dem Rückzug aus ihren Brutgebieten.

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